TDS, PPM, Mikrosiemens — wer sich mit Wasserqualität beschäftigt, stolpert ständig über diese drei Werte. Was bedeuten sie wirklich? Und was sagen sie über die Qualität eures Wassers aus? Spoiler: Mehr ist nicht automatisch schlechter. Aber auch nicht automatisch besser.
- Mikrosiemens (µS/cm) = Maß der elektrischen Leitfähigkeit — gemessen direkt im Wasser
- TDS (Total Dissolved Solids) = Summe aller gelösten Stoffe — meist aus µS/cm umgerechnet
- PPM (Parts Per Million) = einfach eine andere Einheit für TDS (mg/l = ppm bei Wasser)
- Die drei Werte messen Quantität, nicht Qualität — sie unterscheiden nicht zwischen Magnesium und Blei
- WHO-Empfehlung: ≤750 µS/cm. Deutscher Grenzwert: 2.500 µS/cm
Was die drei Werte tatsächlich bedeuten

Leitfähigkeit (µS/cm) — der Originalwert
Die elektrische Leitfähigkeit misst, wie gut ein Material Strom leitet. Reines, destilliertes Wasser leitet kaum Strom — nur die gelösten Ionen (geladene Teilchen aus Salzen, Mineralien, Metallen) ermöglichen den Stromfluss. Je mehr Ionen im Wasser, desto höher die Leitfähigkeit.

Einheit: Mikrosiemens pro Zentimeter (µS/cm). Manchmal auch in Millisiemens (mS/cm = 1.000 µS/cm).
TDS (Total Dissolved Solids) — die Summen-Größe
TDS bedeutet auf Deutsch „gesamte gelöste Feststoffe“ — eine Sammelgröße für alles, was im Wasser gelöst ist: Mineralien (Calcium, Magnesium), Salze (Natrium, Chlorid), Metalle (Eisen, Blei), Spuren von allem Möglichen.
Einheit: mg/l (Milligramm pro Liter) oder gleichbedeutend ppm.
Wichtig: TDS wird selten direkt gemessen — die meisten Geräte messen die Leitfähigkeit und rechnen sie über einen Faktor (typisch 0,5–0,7) in TDS um. Das ist eine Schätzung, keine exakte Messung.
PPM — nur eine andere Einheit
„Parts Per Million“ — Teile auf eine Million. Bei Wasser ist 1 ppm = 1 mg/l (weil 1 Liter Wasser ≈ 1 Million mg wiegt). PPM und mg/l sind also bei Wasser-Themen austauschbar.
| 100 µS/cm | ≈ 50–70 ppm TDS |
| 500 µS/cm | ≈ 250–350 ppm TDS |
| 1.000 µS/cm | ≈ 500–700 ppm TDS |
Was die Werte NICHT sagen
Hier kommt der entscheidende Punkt: Leitfähigkeit / TDS / PPM unterscheiden nicht, WAS gelöst ist. Sie messen nur die Gesamtmenge gelöster Ionen — egal ob das nützliche Mineralien sind oder gefährliche Schadstoffe.
Ein Vergleich:
- Mineralwasser kann 2.000+ µS/cm haben — und ist trotzdem gesund
- Stark gefiltertes Osmose-Wasser hat oft 5–20 µS/cm — und enthält fast keine Mineralien
- Belastetes Brunnenwasser mit Schwermetallen kann 600 µS/cm haben — und trotzdem gefährlich sein
Was bedeutet das praktisch? Der TDS-Wert allein sagt nichts über die Qualität aus. Er ist nur ein Indikator für die Gesamtkonzentration gelöster Stoffe.
Welche Werte gelten als „normal“?
| Reines destilliertes Wasser | 0–10 µS/cm |
| Regenwasser | 10–50 µS/cm |
| Quellwasser (mineralarm) | 100–400 µS/cm |
| Trinkwasser DE (Median) | 300–700 µS/cm |
| Hartes Trinkwasser | 800–1.500 µS/cm |
| Mineralwasser stark mineralisiert | 1.500–3.000 µS/cm |
| Meerwasser | ~50.000 µS/cm |
Die internationale Bewertung — und was Deutschland erlaubt
Internationale Empfehlungen für Trinkwasser:
- EU-Empfehlung: ≤400 µS/cm
- WHO-Empfehlung: ≤750 µS/cm
- Deutscher Grenzwert (TrinkwV): 2.500 µS/cm
Deutschland erlaubt damit das Dreifache der WHO-Empfehlung. Das hat historische Gründe — der Grenzwert wurde mehrmals angehoben, weil viele Wasserquellen ihn sonst gerissen hätten. Mehr dazu: Trinkwasser-Grenzwerte
Wie ihr selbst messen könnt
Ein einfacher TDS-Stift kostet 10–25 € im Online-Handel. Er misst die Leitfähigkeit und rechnet sie in TDS um. Damit könnt ihr:
- Eure Trinkwasser-Belastung grob einordnen
- Filter-Wirkung dokumentieren (Vorher/Nachher)
- Kalk-Belastung abschätzen (höhere Werte = mehr Kalk + Mineralien)
Welche Filter ändern den TDS-Wert wie?
Mehr zu den Methoden: Aktivkohleblock, Umkehrosmose, Ionentauscher
Fazit
TDS, PPM und Mikrosiemens sind nützliche Indikatoren — aber keine Qualitätsmaße. Ein hoher Wert kann gesundes Mineralwasser oder belastetes Brunnenwasser bedeuten. Ein niedriger Wert kann „rein“ oder „demineralisiert“ heißen — beides hat seine Berechtigung, je nach Anwendung.
Wer wirklich wissen will, was im Wasser ist, kommt an einer Laboranalyse nicht vorbei. Der TDS-Stift ist ein nützlicher Schnell-Check — aber kein Diagnose-Werkzeug.
Was ihr sofort tun könnt
Unsere Top-3 zu diesem Thema
FAQ zu diesem Thema
Wie viel Wasser sollte man täglich trinken?
Ist Leitungswasser in Deutschland sicher?
Sollte man Wasser im Voraus abkochen?
Was Nutzer dazu sagen
Trinkwasser-Wissen kompakt
12-seitiges PDF mit den wichtigsten Fakten zu Trinkwasser, Filtern und Gesundheit. Kostenlos und werbefrei.



